Jungle World 5/12

Für den 31. März planen linke Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern einen europäischen, antikapitalistischen Aktionstag. Das Bündnis »Ums Ganze!« gehört zum Netzwerk »M31«, das die bundesweiten und internationalen Proteste koordiniert. Die Jungle World hat nach den Formen und Inhalten der Mobilisierung in Deutschland gefragt.

Staatspleiten, Eurokrise und (k)ein Aufstand
Aus Phase 2.41 – Winter 2011/12

Am 25. September 2011 fand im Clash in Berlin eine von der Gruppe Theorie-Organisation-Praxis (TOP Berlin) organisierte Diskussionsveranstaltung mit der antinationalen Gruppe Terminal 119 aus Griechenland und dem Autorenkollektiv Tiqqun aus Frankreich statt. Unter dem Titel »L’ Insurrection et moi – Staatspleiten, Eurokrise und (k)ein Aufstand« wurde über die Bedeutung der aktuellen Krise und die verschiedenen Krisenreaktionen diskutiert. Im Folgenden wird der Beitrag der Gruppe TOP Berlin dokumentiert.

Occupy Wall Street und die weltweiten Demos am 15. Oktober 2011 haben einen Nerv getroffen. Im fünften Jahr der Krise sehen viele eine globale Bewegung entstehen, die endlich Grundsätzliches ändern will und auch kann. Die meisten Beteiligten verstehen sich als kapitalismuskritisch, viele als antikapitalistisch. Auf Vollversammlungen und Protestcamps oder im Internet geht es gegen eine Politik, die irgendwie doch nur der Wirtschaft und den Finanzmärkten zu dienen scheint, auf Kosten der kleinen Leute.

L'insurrection et moi
Staatspleiten, Eurokrise und (k)ein Aufstand
Mit Tiqqun (französisches Autor_innen-Kollektiv), Terminal 119 (antinationale Gruppe aus Griechenland), TOP B3rlin
Kurzinfo
Diskussionsveranstaltung
von und mit
25.09.2011 - 19:30
Berlin

Als 2008 die Investmentbank »Lehman Brothers« Pleite ging und eine internationale Finanzkrise ausbrach, hofften viele Linke, dass nun die Zeit für eine neue antikapitalistische Bewegung gekommen sei. In der Tat deutete einiges darauf hin, dass die »versteinerten Verhältnisse« (Marx) aufbrechen würden. In Feuilleton und Talk-Shows wird plötzlich aufgeregt über die Schwächen des »Kapitalismus« und die Unmoral der »Märkte« und »Banker« debattiert.

Jungle World Nr. 48/10

Am Wochenende findet in der Ruhr-Universität Bochum der Kongress »So, wie es ist, bleibt es nicht!« zu Arbeit und Krise statt. Veranstaltet wird er von dem linken bundesweiten Bündnis » … ums Ganze«, in dem Gruppen wie TOP Berlin, Autonome Antifa F und die Gruppe Gegenstrom aus Göttingen organisiert sind. Marlies Sommer von TOP Berlin ist Sprecherin des Bündnisses. Das Kongress-Programm findet sich im Internet unter: kongress.umsganze.de

Das umsGanze!-Bündnis gratuliert zur Krise
Immobilien und Obdachlosigkeit, Weltwirtschaftskrise und Systemrelevanz, Abwrackprämie und Freiheit, Wachstum und Gier, Sirtaki und Standort, Arbeit und Ausbeutung, Verwertungszwang und falsche Gegensätze, Falsche Ordnung und das schöne Leben

Die Öffentlichkeit blickt mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination auf die Entwicklung der Konjunkturdaten. Fachthemen von »Börsianern« und anderen Wirtschaftsmeteorologen wie Aktienindizes, Staatsschuldenstände und Kreditrisiken berauschen das Publikum. Wenn selbst in Europa Banken pleite gehen und Staaten zahlungsunfähig werden – und nicht nur in »Schwarzafrika« oder wo sonst der Pfeffer wächst –, dann verbreiten sich sogar hierzulande Zweifel an der »Nachhaltigkeit« der herrschenden Gesellschaftsordnung.

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