Scheiss Berlin. Scheiss Deutschland. Scheiss Europa

Auch wenn in Deutschland auf den ersten Blick noch vieles rund zu laufen scheint: Auch hier verhärtet sich die Klassengesellschaft. Man mag es kaum glauben: Die soziale Ungleichheit ist gegenwärtig so groß wie in keinem anderen Land Europas. Während die reichsten 10 Prozent der Deutschen heute über fast Dreiviertel des Vermögens verfügen, steigen immer mehr Menschen sozial ab: durch Hartz IV, was Armut und staatliche Kontrolle des gesamten Alltagslebens bedeutet und heute auch in vielen anderen Ländern Europas zum Modell für erfolgreiche wettbewerbsorientierte Arbeitsmarktreformen gemacht wird; durch zunehmende Prekarisierung, die gerade im „hippen“ Berlin oft als Chance der Selbstverwirklichung gepriesen wird, aber die soziale Absicherung erodieren lässt und als gesellschaftliche Vereinzelungsmaschine fungiert; oder durch Lohnzurückhaltung, die in jüngster Vergangenheit nicht selten gegen die Sicherung der Arbeitsplätze getauscht wurde und gleichzeitig für das Niederkonkurrieren anderer europäischer Länder mitverantwortlich ist.

Dabei wird die deutsche Politik oft als Verteidigung der eigenen Interessen wahrgenommen. Für die Illusion von Sicherheit und den Standort schnallen deutsche Lohnarbeiter_innen oft allzu bereitwillig den Gürtel enger und richten sich notdürftig in einer Welt ein, deren Mantra There is no Alternative lautet - der Sozialchauvinismus wird dabei freihaus geliefert. Die unmittelbaren Auswirkungen der Krise bekamen vieler so tatsächlich nur begrenzt und vermittelt zu spüren. Jedoch längst nicht alle. Denn während deutsche Gewerkschaften sich vor allem für die Kernbelegschaften interessieren, werden immer mehr Menschen vom gesellschaftlich produzierten Wohlstand ausgeschlossen. So wundert es kaum, dass viele aktuelle Arbeitskämpfe von Sparten- und Basisgewerkschaften oder gleich ganz ohne gewerkschaftliche Unterstützung geführt werden. Wenn der Preis, den wir im Zuge der Austerität heute in Deutschland zahlen, ganz bestimmt nicht der gleiche ist wie in Griechenland, so gleicht sich das dahinter stehende Prinzip aus Konkurrenz, Wettbewerb und Ellenbogen. Damit gilt es zu brechen. Kommt am 20.Juni mit uns auf die Straße. We are the crisis!

20.6. | 13 Uhr | Oranienplatz