... ums Ganze!

smash capitalism. fight the G8 summit.

... als Motto einer Kampagne, als Name eines Zusammenschlusses oder sogar als Label innerhalb der Mobilisierung gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm, McPomm, D-Land, mag einigen großkotzig und infam erscheinen, manchen anderen vielleicht als unverbesserlich und utopisch. Sowohl den einen wie den anderen können wir verkünden: Ihr habt vollkommen recht.
Wir wollen uns nicht mit realpolitischen Forderungen zufrieden geben, wir wollen nicht nach der praktischen Umsetzbarkeit irgendwelcher Reformen fragen, wir sagen klar und deutlich: Uns geht's ums Ganze! Wir wollen die Überwindung des gesellschaftlichen Verhältnisses Kapitalismus als die einzig »menschenwürdige Lösung« propagieren. Wir wollen unsere Negation dieses Verhältnisses ausdrücken.
Wir glauben nicht, dass in Heiligendamm die Revolution an die Tür klopft. Wir glauben auch nicht, dass alle, die gegen den G8-Gipfel 2007 aktiv sind und sein werden, auf der gleichen Seite stehen und eine gemeinsame Idee einer neuen Gesellschaft und nicht bloß einer »anderen Welt« haben. Wir glauben aber, dass es viele sind, denen es auch ums Ganze geht.

Bereits sehr früh wurde innerhalb der linksradikalen Mobilisierung zum G8-Gipfel 2007 deutlich, dass sich die radikale Linke in D-land einmal mehr zwischen Realpolitik und bürgerlichem Bündnis vs. Couchtisch und Lesezirkel aufteilen wird. Weder das eine noch das andere war für uns eine Option. Wir wollten weder unsere Kapitalismuskritik zurückfahren, z.B. um »bündnisfähig« zu sein, noch unsere Waffen der Kritik vom Sessel aus via Web 2.0 auf die vermeintlich und real reaktionären Teile der sogenannten Anti-Globalisierungsbewegung abfeuern.

Wir begreifen uns als Teil der radikalen Linken und wir wollen linksradikale Politik machen. »... ums Ganze!« ist unsern Versuch diese Politik wirksam umzusetzen. Primäres Ziel von »... ums Ganze!« ist die Entwicklung einer antikapitalistischen Praxis und Organisierung. Der G8-Gipfel 2007 ist dabei kein Vehikel für unseren Ansatz. Wir erhoffen uns selbstverständlich innerhalb der wohl größten linksradikalen Mobilisierung in D-Land der letzten Jahre viele Diskussionen und praktische Initiativen über unseren eigenen Kreis hinaus entwickeln zu können. Doch das mittelfristige Ziel bleibt eine Perspektive jenseits des Kapitalismus zu eröffnen, um langfristig das Unmögliche möglich zu machen.

Für diese radkale Veränderung der Gesellschaft bedarf es dabei auch einer theoretischen Auseinandersetzung, die Gewissheiten und Allgemeinplätze linker Politik in Frage stellt, die also auch die Basiskategorien der bürgerlichen Gesellschaft - wie z.B. Staat, Recht und Politik - unter die Lupe nimmt. Eine Theorie, die also nicht weniger will, als den Dingen auf den Grund zu gehen - was nichts anderes heißt, als eine praktische Antwort auf die Frtage zu finden, warum und wie es funktionieren kann, dass eine Ordnung, deren Unbrauchbarkeit für die Menschen so offenkundig ist, immer noch besteht. Dazu soll diese Broschüre einen Beitrag leisten.
Die vorliegenden Texte über unser Selbstverständnis, den rechten »Antikapitalismus«, die linke Forderung nach einem Existenzgeld und einigen Überlegungen zum emanzipatorischen Gebrauchswert der Demokratie sind also erste Gehversuche in die richtige Richtung - aber keinesfalls als abschließende Statements zu verstehen. Den Fragen der Berliner Phase Zwei-Redaktion haben wir uns gestellt um die Sprachlosigkeit zu übrwinden, welche die eingangs erwähnte Spaltung der radikalen Linken hierzulande so unproduktiv charakterisiert.

Diese Broschüre ist für uns deshalb nicht mehr und nicht weniger als Werbung für eine Diskussion ums Ganze! Wir sind selber auch noch nicht so weit, die einzelnen Artikel mit »... ums Ganze!« zu unterschreiben, sondern nur mit den Namen der beteiligten Gruppen oder AutorInnen, zumal viele Gruppen erst kurz vor Fertigstellung der Broschüre dazu gestoßen sind.

Gerade innerhalb der Mobilisierung gegen den G8-Gipfel 2007 erhoffen wir uns, Diskussionsansätze und Orientierungspunkte liefern zu können, nicht erst um Juni in Rostock, am Flughafen oder am Zaunkurz vor Heiligendamm. Im Vorfeld werden die beteiligten Gruppen mit verschiedenen Initiativen die linke und auch die bürgerliche Öffentlichkeit suchen, um unser infames Anliegen zu vermitteln.

».. ums Ganze!«-Bündnis
April 2007