Von der Globalisierung zu Genua, von der Krise zu den globalen Aufständen

Eine Diskussion über den Stand der radikalen/autonomen Linken

In 2012 haben Kommentatoren über Blockupy Frankfurt geschrieben, dass die Mobilisierung in die europäische Finanzhauptstadt um die EZB zu blockieren einen „neuen Start europäischer Netzwerke“ und „Neu-Eröffnung der Bewegung“ markiert habe. Offensichtlich hat sich das „neue“ auf die neuere transnationale Bewegung der Bewegungen bezogen –  die Anti- bzw. Alterglobalisierungsbewegung, die in ihrer europäischen Variation in unserer Erinnerung mit ihrem Höhepunkt oder ihre Finsternis bei der Mobilisierung nach Genua in 2001 feststeht.
Unser Anliegen mit dieser Diskussion ist mal einen Schritt zurückzugehen und zu überlegen, im großen Ganzen, was wir erreicht bzw. nicht erreicht haben seit dieser letzten Jahrtausendwende. Wir möchten dabei eine neue Perspektive aufzeigen, um unsere aktuelle Situation zu betrachten: Wo waren wir damals? Wo stehen wir jetzt? Welche Einsichte aus der Alterglobalisierungsbewegung bestimmen unsere aktuellen Praxen? Was haben wir eventuell versgessen? Und vor allen Dingen: Wie hat sich die Situation, der soziale Kontext, zwischen damals und heute verändert?
Ein paar vorläufige Thesen: unsere aktuelle Situation ist in vielen Hinsichten durch eine Vertiefung globaler Transformationen gekennzeichnet, die die Alterglobalisierungsbewegung vorhergesehen hat: eine Verschiebung in der Bedeutung von (Staats-)Souveränität, eine sich verändernde Rolle des Nationalstaates (und eine Verschiebung darin, was überhaupt als „staatlich“ verstanden und praktiziert wird), sowie neue globalen Muster und Praktiken der Migration, eine sich zunehmende Hegemonie des Finanzkapitals in der Akkumulation und kulturelle Transformationen des sozialen Zusammenlebens, Prekarisierung und Neoliberalisierung.
Wissen wir aber heute noch mehr darüber, was diese Transformationen für unsere emanzipatorischen Kämpfe bedeuten? Was ist heutzutage antikapitalistischer Kampf und wer kämpft?

Die Diskussion wird auf Englisch stattfinden und Übersetzung wird vor Ort selbstorganisiert werden.

Sandro Mezzadra ist Teil des militanten Forscher_innen-Kollektivs EuroNomade und ist eine wichtige Stimme in (post)operaistischen bzw. post(autonomen) Kämpfen und Diskussionen in Italien. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel über Grenzen, Arbeit, Migration und soziale Bewegungen geschrieben. Sein neustes Buch (zusammen mit Brett Neilson) ist Border as Method, or the Multiplication of Labour.  Hier kann man einen deutschsprachigen Artikel zu dem Thema lesen.
Montserrat Galcerán Huguet ist militante Forscherin und marxistisch-feministische Philosophin in Madrid, die seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Kämpfen und Zusammenhängen aktiv ist. Während der Studi-Bewegungen der 2000er Jahre ist sie Teil des internationalen Kollektivs militanter Forscher_innen Kollektivs „EduFactory“ gewesen. Sie hat zahlreiche Bücher und Artikel veröffentlicht über soziale Bewegungen, Arbeit und Feminismus, Prekarität, Bildungspolitik und Subjektivität sowie philosophischen Texte, z.B. zur „Invention“ vom Marxismus in Deutschland oder das Buch Der Begriff der Freiheit in dem Werk von Karl Marx. Ihr neustes Buch heißt Deseo [y] Libertad ([Ich] Begehre[n] [und] die Freiheit).

Informationen
Podiumsdiskussion
von
mit Sandro Mezzadra und Montserrat Galcerán Huguet

Datum & Uhrzeit

23.09.2014 - 20:00

Ort

Boddinstr. 42
Berlin